
von jesus, benjamin und bad bunny
– oder: was friedrich von ihrem schmerz lernen kann
Lesezeit: 15 min
ein philosophischer denkanstoß zu ostern – über die frage, was friedrich vom in freude verwandelten (sch)merz jesu, kants und bad bunnys lernen könnte. es geht viel um benjamin. aber auch um alle anderen.
wie man es auch sagen könnte: es geht darum, weshalb wir die philosophie wieder in unser leben lassen sollten – und warum das besonders für den deutschen Bundeskanzler gilt.
Starten wir rein!
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Gerne möchte man als urban lebender Zillenial den Mitgliedern der deutschen Bundesregierung, allen voran Friedrich Merz ein Warnschild an die Stirn kleben, auf dem steht: „Achtung, verwirrte Boomer!”[1] Weil das leider schwierig zu organisieren ist, bleibt uns nur übrig, einen weiteren Kommentar auf irgend so einem Blog im Internet zu verfassen.
Beginnen wir mal so: Uns Zillenials[2] fällt es in der Regel schwer, mit irgendetwas anzufangen. Falls der Start eines Projektes, einer Haushaltstätigkeit oder eines bloßen Gedankenganges dann doch mal geschafft ist, fällt es uns noch schwerer, damit weiterzumachen. ADHS ist schon deswegen eine Volkskrankheit, weil es fast allen jungen Leuten so geht – die Diagnose ist deshalb aber nicht weniger virulent. Strukturlosigkeit ist kein vereinzeltes Thema, sondern ein kollektives.
Und dann gibt es natürlich Social Media. Dass Instagram, TikTok und ChatGPT unsere ständigen Begleiter geworden sind, ist nichts anderes als eine massive Ablenkung von und Steigerung in die Strukturlosigkeit. Diese Ablenkung ist kein Zufall, nein. Sie ist von – man kann es so sagen – böswilligen, auf Weltherrschaft abzielenden CEOs und CFOs der Big Tech Industrie mehr oder weniger gewollt, erforscht und gefördert. Das war nicht immer so, und das ist keine Verschwörungstheorie. Es gleicht eher einer Verschwörung der superreichen Elite gegen das gemeine Volk, gegen den Demos der Demokratien. Wo ist da jetzt der Zusammenhang mit Ostern, fragt ihr euch? Ich sag’s euch gern.
Ostern ist nicht nur ein blödes religiöses Ereignis, für das man glücklicherweise ein paar Feiertage vom Staat geschenkt bekommt. Wenn man die richtigen Verknüpfungen herstellt, kann Ostern eine super konstruktive Erinnerung sein.
Sich im eigentlichen, geschichtlichen Sinne zu erinnern ist für unsere historische Situation so wichtig, weil, wie schon der universalgelehrte Musiker Käpt’n Peng uns im Jahr 2012 mitgeteilt hat: „Bildung Erinnerung [ist], die meistens um sich selbst kreist!“[3] Bildung (und Medienkompetenz für junge und alte Leute) brauchen wir meiner Meinung nach sowieso VIEL MEHR!
Nun ja – welche Art von Erinnerung ist Ostern also und was hat es mit einer philosophischen Ergründung des Treibens der deutschen Bundesregierung zu tun? Eine verschrobene Philosophenfrage, die ich euch gerne beantworte! Aber dabei nehme ich zunächst die Hilfe von meinem Homie Walter Benjamin in Anspruch.
Seine Thesen zum Begriff der Geschichte[4] bergen erschreckende Aktualität, gerade in Bezug auf die gesellschaftliche Mentalität, die er 1940 aufgeschnappt hat – mitten im zweiten Weltkrieg. Inwiefern die WW2-Situation vergleichbar mit der heutigen ist, liegt natürlich im Auge der Betrachterin. Ich lade euch ein, es einmal so wie ich zu sehen.
Walter Benjamin konstatierte angesichts der Kriegsmentalität des gesamten Planeten eine mit Lotze zitierte „allgemeine Neidlosigkeit der Gegenwart gegen ihre Zukunft“[5]. Damit können wir doch ziemlich gut „relaten“, oder? Von fatalistischen Fantasien über das verheerende Ende der Welt, wie wir sie kennen, wimmelt es nicht nur auf Netflix & co – die Fantasie ist leider bittere Realität geworden. Für Ukrainerinnen. Für Iranerinnen. Für US-Amerikanerinnen. Für Kubanerinnen. Für Palästinenserinnen. Für Israelinnen. Für Jüdinnen. Für Muslima. Und für uns?
Benjamins gebündelte Feststellungen tragen auf den ersten Blick keine optimistischen Klänge in sich – und dennoch manifestieren sie in der Leserin ein latentes Gefühl der Hoffnung.
Hoffnung darüber, dass es doch noch besser werden kann mit uns und der Welt. Benjamin schreibt nämlich nicht nur von der bitteren Realität, sondern auch vom Glück, von der Erlösung, von der Utopie – in religiösen Begriffen: „von der schwachen messianischen Kraft, an welche die Vergangenheit Anspruch hat“ Und weiter, @Friedrich Merz & co: „Billig ist der Anspruch nicht abzufertigen“.[6]
Ach, wäre Benjamin doch unser Kanzler! Welcher Partei er im Fall der Fälle wohl beigetreten wäre? Vermutlich der Linken? Oder doch der KPD? Auf keinen Fall den Grünen! Egal – Benjamin ist tot, er kann uns nicht retten, wir müssen das schon selbst übernehmen.
Nicht nur können wir Hoffnung auf Besserung aus seinen Thesen schöpfen, sondern auch eine gesunde Kritik an Putins, Trumps, Jin Pings, Mileis, und-wie sie-nicht-alle-heißens Verständnis von Gerechtigkeit üben. Und letztlich auch am Gerechtigkeitsverständnis der Alice Weidels, Björn Höckes, und ja: auch der Friedrich Merze dieser Welt.*
*Problematischer als die CDU ist und bleibt übrigens die AfD, egal was Die Linke sagt.
Was ist aber das Problem am profitorientiert-fortschrittsgläubigen Geschichtsverständnis, dem auch Friedrich Merz fröhnt, wenn er hinausposaunt, dass wissenschaftliche Forschung letztlich einem wirtschaftlichen Zwecke zu folgen hätte [link]?
Es ist in erster Linie ein Problem der Deutung – im weitesten Sinne also der politischen Hermeneutik.[7] Der Sachverhalt der geschichtlichen Deutungshoheit wird, mit Benjamin gesprochen, „deutlicher, wenn man die Frage aufwirft, in wen sich denn der Geschichtsschreiber des Historismus eigentlich einfühlt. Die Antwort lautet unweigerlich, in den Sieger“.[8] Problematisch, wenn es um Palästina geht, oder?
Und auch folgendes Benjamin-Zitat darf mensch nicht vergessen, wenn er sich undifferenziert über Friedrich Merz beschwert: „Die jeweils Herrschenden sind […] die Erben aller, die je gesiegt haben“.[9] Bleibt nur, den (Sch)merz in Gedankenkraft zu verwandeln und dem deutschen Bundeskanzler beim vernünftigen Herrschen zu helfen.
Wie manche wissen, bezeichne ich mich stolz als Feministin. Nun ist Merz bei Gott kein Mitglied des Anti-Patriarchat-Clubs, doch bin ich mir sicher, dass er um die Vorteile einer freien Gesellschaft und so auch freier Frauen und FLINTA weiß. Diese Prämissen solltet ihr meines Erachtens stets im Kopf behalten, bevor ihr auf ihn losgeht. Merz ist nicht der Teufel. Er ist nur ein verwirrter Boomer, ein Stromberg, der gerade unser Land regiert und aufgrund der allgemeinen Volksverwirrung nicht so richtig weiß, wie er das anstellen soll.
Ferner ist es so, dass Herr Merz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genau weiß, wer in diesem Land die Arbeit macht – und dass es nicht seine Wenigkeit ist.
Er muss es wissen, weil er sich in den seltensten Fällen selbst aussucht, was er an die bundesdeutsche Öffentlichkeit kommuniziert. Das macht man sich oft nicht klar, aber an seinen Texten feilt ein großes Team von Leuten – all day everyday. Manchmal lässt sich Bernd Stromberg, äh, Friedrich Merz aber doch von seinem Publikum mitreißen (bzw., mit Heidegger gesprochen: mit dem „man“, das er glaubt, vor sich zu haben[10]), und dann kommt sowas heraus wie die Stadtbild-Aussage. Versteht mich nicht falsch: Das war eine hyperrassistische Aussage. Ob Merz als Person in ihrem Kern Rassist ist, wage ich zu bezweifeln.
Im Gegenzug für die Arbeit, die wir alle für Friedrich den Großen, äh, Stromberg, äh, den CEO von Deutschland, äh Friedrich Schmerz, äh, Merz erledigen, erwarten wir zurecht, dass er auch etwas für uns unternimmt – wir, die wir sein Amt ermöglichen. Wir, das Demos der deutschen Demokratie. Und, naja, „Lifestyle-Teilzeitarbeit“ als Begriff überhaupt aufzuwerfen[11] und infolgedessen öffentlich zu kritisieren, gehört schonmal nicht dazu. Ebenso wenig die Kritik an zu vielen Krankheitstagen. Auch nicht die Kritik an „Paschas“ (das ist ein Zitat und ich würde den Begriff nie selbst verwenden), deren Eltern unser Land unter Adenauer und Brandt mit aufgebaut haben und es noch tun.
Junge, war das alles dumm.
Wie dem auch sei: Mit einer Politik der Hoffnung hat sich längst nicht nur Benjamin beschäftigt. Genau genommen fängt die hoffnungstragende Philosophie hinter der gleichnamigen Politik (und ihrer Kehrseite) hierzulande mit Sokrates an: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist kein bescheidenes Eingeständnis. Es birgt Ehrfurcht vor der Wahrheit, um die der Mensch stets bemüht ist. Weiter ging es mit Platon, Aristoteles, Descartes, you name it, aber doch vor allem mit einem: Jesus Christus.
Wie! Was! Warum! Eine Philosophin, die das Christentum anpreist? Ist es denn die Möglichkeit?
Es ist nicht nur die Möglichkeit – in gewisser Weise ist es ihre Bedingung. Nicht nur bin ich Tochter eines Pastorensohns (die leider nicht getauft wurde und mit 14 keine tausenden Euros zu ihrer Konfirmation einstreichen konnte), ich bin schlicht und ergreifend Kulturprotestantin.[12]
Die von Max Weber zurecht als „protestantische Ethik“ bezeichnete Einstellung, welche davon ausgeht, dass der Mensch niemals vor Gott „gerechtfertigt“ sein kann und er gerade deshalb wie ein Irrer hinter dieser Rechtfertigung herlaufen sollte, um trotz all seiner imaginierten Sünden schließlich „erlöst“ zu werden, hat, man mag es kaum glauben, mit dem Geist des Kapitalismus und seinem Umschlag in den Faschismus einiges zu tun.
Mit „dem guten Leben“ meinte Luther ja leider nicht „la dolce vita“, nicht das süße Leben, sondern eher: das pflichtgemäße Leben. Wenngleich die Erbsünde mitsamt ihren kollektiv eingepflanzten Schuldgefühlen eine ur-judäo-christliche Ideologie ist, hat Luther es doch tatsächlich geschafft, die Schuldgefühle gerade der Protestanten dadurch zu intensivieren, indem er ihnen eingetrichtert hat, dass man sich die Gnade des „Herren“ einfach nicht erkaufen kann. Man bleibt also auf einen Vermittler angewiesen: Wahlweise Luther selbst, die protestantische Kirche in ihrer form als herrschaftsinstitution, der Staat als Vertreter der „giftgefälligen weltlichen Obrigkeit“ – was weiß ich, was diese Menschen in ihrer Gewissensnot sich noch so ausgedacht haben…
In Luthers Heimatland hat das dazu geführt: Dass die europäer in wiederholte Exzesse des Bösen verfallen sind (z.B.: 1618-1648, 1914-1918, 1933-1945), nur um anschließend in einen bis heute anhaltenden Exzess des Südenstolzes zu verfallen. Immer geleitet von den jeweiligen Interessen der herrschenden Klasse. unter dem Motto:„am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ geht es in Luthers laden nunmal nicht.
Und dennoch wirft sich mir eine frage auf: Hilft es denn, wenn wir arbeitsfaulen Zillenials hedonistisch einer vermeintlichen „dolce vita“ hinterherrennen, wenn doch unsere wesentliche Haltung ein christlich fundiertes, „stahlhartes Gehäuse“ (Max Weber[13]) ist? Oder bröckelt dieses gehäuse gerade massiv?
Ist die schuld vielleicht ein Instrument (foucaultsch gesprochen: ein Dispositiv), um ein schlechtes Gewissen als Dauerbrenner unserer psychischen Verfassung einzurichten und uns somit in Schach zu halten? Wer weiß, auf welche abtrünnigen Gedanken diese Menschen sonst noch kommen würden … und wäre es schlecht, wenn es so ein pflichtbewusstes gehäuse wieder gäbe? Denn: 1933-1945 …
Aber müssen wir es damit wirklich immer so übertreiben? Oder kommt das von Freud festgestellte kulturelle Unbehagen, d. h. das gespürte Defizit in der Lustbefriedigung, an anderer Stelle verquer wieder heraus – in Form von Gewalt, Kriegen und Herrschaftssucht?
Also, wir hören auf herumzustochern und merken uns fürs erste: Ein bisschen Pflicht schadet nie, vor allem in einer Demokratie (Reim ungewollt).
Es verhält sich doch so: Luther war kein schlechter Typ. Er hat auf seine Art versucht, das Beste draus zu machen – doch hat er inmitten von Bauernkriegen und anderen gesellschaftlichen Animositäten vermutlich vergessen, dass es schon Jesus Christ Superstar war, der Nächsten- und vor allem Feindesliebe gepredigt hat. OG Jesus bzw. das, was von ihm überliefert ist (ob es Märchengeschichten sind oder nicht, ist für das ideologische Wirken seiner Persona übrigens völlig irrelevant), trifft einen sozialdemokratischen, wenn nicht sozialistischen Kern.
Erinnern wir uns zunächst an den biblischen Kern des neuen Testaments: Evangelium bedeutet, je nach Übersetzung, nichts anderes als Die frohe Botschaft. Kulturprotestantinnen wie ich oder solche, die es noch werden wollen, wissen das. Es ist keine neue Erkenntnis. Und doch ist die historische Erinnerung an Jesu Schaffen nach wie vor bedeutsam: Sein Wirken war keineswegs so relevant, weil er etwa in einer friedlichen Zeit gelebt hätte. Nein, nein (*Loriot-Sketch-Stimme*). Zwar hat es sich nicht um planetare Weltkriege gehandelt, wohl aber um Weltkriege im gesamten geopolitischen Raum des „nahen Ostens“.
Zu nennen seien an erster Stelle die Aufstände zwischen dem römischen und dem jüdischen Reich, in deren Mitte die Figur Jesus Christus stand. Nach Jesus Tod (heute vor 1993 Jahren, wenn man davon ausgeht, dass Jesus ca. 33 Jahre alt geworden ist [link]) ging es bellizistisch weiter: Der große jüdische Krieg nach Paulus Tod beginnt um 66 n. Chr., Die römischen Feldzüge, die bis ca. ins erste Jahrhundert nach Christi Geburt anhielten, waren eine Art Dauerkriegszustand. Und dann gab es noch die altgr. als λῃσταί, zu dt. Banditen bezeichneten Räuberbanden, die sich gegen das römische Reich aufgelehnt haben. War viel los!
Kurzum: Jesus lebte in einem Imperium, das permanent im Krieg mit sich selbst war.[14]
Es in diesem politischen Zustand fertig zu bekommen, die frohe Botschaft zu verbreiten, Nächsten- und sogar Feindesliebe zu praktizieren – das ist meiner Ansicht nach ein ganz schön starkes Stück. An dieser Stelle drängt es sich mir innerlich auf, erneut zu betonen, dass es tatsächlich völlig egal ist, ob Jesus wirklich gelebt hat oder nicht, oder ob das Alte Testament oder die Evangelien mehr Märchen- als wahrheitsgetreue Geschichte sind.[15]
Die Botschaft hat gewirkt und das ist Fakt.
Mätthaus 5, 44: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist: ‚Liebe deinen Nächsten‘ und hasse deinen Feind. Ich [Jesus] aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“
Dies ist das Kernzitat, das ich allen christlich denkenden, auch kulturchristlichen, kapitalistischen oder oligarchischen, der Wohlstandsgesellschaft des Abendlandes nachstrebenden Herrschenden dieser Welt, mitgeben möchte – den kleinen wie den großen. Um es mit Dota Kehr zu sagen: „Nennt mich naiv, es ist mir egal, aber ich finde es reicht. Ich suche das Land in dem Jeder dem Anderen in Staatsunangehörigkeit gleicht“![16]
Back to Jesus –
Das obige Zitat zeigt doch: Falls das frühe Christentum eine Sekte war, dann eine ziemlich wirksame – je nach Auslegungsart könnte man sagen: eine strahlende, positive, starke messianische Kraft. Ich würde jetzt gerne noch viele weitere Bibelzitate einfügen, die ChatGPT mir aufgelistet und die ich dann in meiner Jerusalemer Ausgabe überprüft habe, doch ich beschränke mich auf eines samt eines metaphorischen, bombastic side eyes an Fritze Merz:
Pflicht der ersten zu dienen
Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: „Ihr wißt, daß die, die als Herrscher der Völker gelten, sie unterjochen und daß ihre Großen sich Gewalt über sie aneignen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer unter euch der Größte sein will, euch der Erste sein will, soll der Diener aller sein.“
Markus 4, 42 – 44.
Da isser doch, Platons Philosophenkönig! Oder war es das Gespenst des Kommunismus, wie Marx es vorgesehen und Stalin es, milde ausgedrückt, verhunzt hat? Lasst diese Zitate jedenfalls mal auf euch wirken und zieht von da aus mal eine Linie zur politischen Lage von heute.
Die ungeduldige Leserin, die sich fragt, wann zur Hölle jetzt eigentlich endlich Bad Bunny ins Spiel kommt, möge sich an den ca. 60x30m großen Banner erinnern, den er angesichts der frohen Botschaft der puren puerto-ricanischen Lebensfreude zum Superbowl 2026 ins NFL Stadion übertragen ließ: „THE ONLY THING MORE POWERFUL THAN HATE IS LOVE“. Da habt ihr eure Antwort vielleicht schon, oder?
Was bleibt nun von Benjamin, Jesus und Bad Bunny, außer ein philosophisch-theologisch-lebensfreudiges Erbe? Es bleibt: Die luzide Einsicht in das falsche Leben im Falschen (Adorno – „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“).
Es bleibt: Die Einsicht, dass in den gruseligsten Situationen doch von irgendwo ein Lichtlein herkommt.
Es bleibt: Die Hoffnung.
[1] Tatsächlich gibt es neben der lustigen Art und Weise, wie Boomer ihre Schmartfons bedienen, triftige Gründe für eine Abneigung seitens Zillenials gegenüber Boomern: Als verwöhnte Generation haben sie, pauschal gesprochen, nicht nur den Klimawandel ignoriert, sondern auch das kostbarste Projekt seit Ende des 2. Weltkrieges für zu selbstverständlich genommen: Die Europäische Union. Dieser Egoismus, nicht nur unter Politikern, sondern auch in allen anderen Branchen inklusive der Philosophie – sofern sie Branche statt Wissenschaft geworden ist – ist ihnen durchaus übel zu nehmen. Aber das sprengt jetzt den Rahmen …
[2] Den Begriff benutze ich als Überbegriff für das generationelle Sammelbecken von Gen Zlern, Millenials und denen, die sich dazwischen befinden (ich zähle mich selbst zur letzten Gruppe).
[3] Käpt’n Peng (2010): Werbistich
[4] Benjamin, Walter: Zur Kritik der Gewalt. 15. Aufl. Suhrkamp: Frankfurt am Main 2019.
[5] Ebd., S. 78f.
[6] Ebd., S. 79.
[7] Hermeneutik ist die Wissenschaft der Symbol- und Zeichensysteme. Grob gesagt.
[8] Benjamin (2019), s. 82.
[9] Ebd., S. 83.
[10] Das Man ist bei Heidegger so etwas wie die anonyme gesellschaftliche Allgemeinheit – ich übersetze es hier mehr oder weniger mit „vibe“.
[11] Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander erklären in dieser Folge ihres sehr empfehlenswerten Podcasts „Machtwechsel“ gut, wie es zu diesem Begriff kam. Spoiler: Es war eher ein dummer Fehler. Ich sag‘ nur: Achtung, verwirrte Boomer!
[12] Das liegt schon im lutherischen Namen. Bei weitem bin ich nicht die erste Philosophin, der mindestens die geschichtlichen Ursprünge des Christentums taugen. Benjamin gehört zwar als Jude nicht zur Reihe, die sogleich mit etwas Mut und Zuversicht miteinander verknüpft werden, jedoch viele andere Namen: Martin Luther, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Max Weber, Karl Marx, äh, nee, doch nicht, dafür aber die marxistisch denkenden Philosophen Jan Rehmann und Lukas Meisner, Brigitte Kahl, und auch Jüdinnen wie Hannah Arendt und Karl Jaspers oder Atheisten wie Ernst Bloch können im weiteren Sinne zu ihnen zählen – wenn auch als diejenigen, die unter der protestantischen Ethik gelitten haben.
[13] Weber, Max. Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. 3. Aufl., herausgegeben von Dirk Kaesler, C.H. Beck, 2010.
[14] Vgl. u. a. Dahlheim, Werner: Die Welt zur Zeit Jesu. C. H. Beck: München 2017. Oder einfach in der Bibel nachlesen…
[15] Eine Beobachtung bezüglich des metaphysischen Unterschiedes zwischen altem und neuem Testament: Der jüdische Gott ist viel zorniger als der gütige Gott des Christentums. Was das zu bedeuten hat, dürft ihr selbst entscheiden – ich glaube, es hat entweder mit den Abbildern der griechischen Gottheiten und/oder mit der Spiegelung des Dauerkrieges im Zorn des Gottes zutun.
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