Autorin: frieda2000
Soundtrack zum Artikel: L’Internationale – Perrier de Geyter

Von links nach rechts: Martha P. Johnson, Rosa Luxemburg, Albert Parsons, Gregor Gysi, Karl Liebknecht, Ines Schwerdtner, Georges Clemenceau, Alice Weidel
Starten wir rein!1
Am 1. Mai stellt sich den politisierten Bürgern, Bürgerinnen und Bürger*innen der Bundesrepublik wie immer die Frage: Kämpfen oder Kuchen essen? (In der Berliner Version dann: Erst Sektbrunch, dann Demo, dann Club, oder ist Demo doch zu stressig?)
Die unentschlossene Haltung in Sachen Arbeiterkampf spiegelt sich in der Geschichte des 1. Mai wider – oder eher: Die Geschichte des 1. Mai spiegelt die unentschlossene Haltung vieler Akteure in Punkto arbeitsbezogene Haltung wider. Diese Geschichte hat einen knapp 140-jährigen Ursprung und ist eng verknüpft mit verschiedenen ideologischen Erzählungen, die ich anderenorts in der Version der aktuellen BRD analysiere.
Ein Hauptwiderspruch der Geschichte des 1. Mai findet man in seinen zwei Titeln: Ist er „Tag der Arbeit“ oder „Internationaler Kampftag der Arbeiter*innenklasse“?
Tja…
Bildung ist Erinnerung, die meistens um sich selbst kreist2
Die Frage, die wir uns heute stellen, bezieht sich auf die Geschichte des 1. Mai – und zwar insofern sie schon vielfah erzählt wurde. Geschichte funktioniert nur über kollektive Erinnerung, wie ich an Ostern bereits festgestellt habe. Es ist dabei so wie bei persönlichen Erinnerungen: Wenn man heute ein Ereignis aus der eigenen Kindheit nacherzählt, täte man das nur mit der Sprache, die einem heute zur Verfügung stünde. Als Kind hätte man es niemals so ausdrücken können wie jetzt.3
Der 1. Mai als Kampftag
Grob gesagt fing alles am 20. Juli 1889 in Paris an. Von französischen Arbeiterkämpfen haben wir sowieso einiges zu lernen, imho, Stichwort Pariser Kommune. Zu dieser Zeit gab es eine sprudelnde Quelle von Aktivismus, Aktion und Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen, die oft in Gewalt und Ermordung seitens der Polizei endeten.
Die 2. Internationale4 fand sich am 20. Juli 1889 in Paris zusammen, um ein Datum für Demonstrationen festzulegen. In der Sache ging es darum, für einen kürzeren Arbeitstag zu kämpfen. Oberstes Ziel war, den Arbeitstag auf acht (in Zahlen: 8) Stunden zu begrenzen (in Capslock: BEGRENZEN).
That’s where we’re coming from, folks. Dass wir heutzutage unter der Woche ab +/- 18:00 Uhr chillen können, ist keine Selbstverständlichkeit. Sowieso gilt das nur für Bürotätigkeiten. Arbeiter in Schwerindustrie, Pflege oder Reinigung müssen in Schichten arbeiten und haben nicht um 18:00 Uhr Schluss. Und den Rest der Arbeit haben wir in den globalen Süden ausgelagert. Die anstrengendsten und tödlichsten Arbeiten machen sowieso andere für uns – z. B., indem sie Lithium und Kobalt für die Produktion unserer iPhones abbauen.
Der 1. Mai wurde als Datum für Arbeiterproteste festgelegt, weil sich an diesem Tag im Rahmen der Haymarket-Proteste in Chicago eine Tragödie nach der anderen ereignete, die viel mit Polizeigewalt zu tun hat.
Polizei: Ein ideologisch-repressiver Staatsapparat
Während der Haymarket-Proteste am 1. Mai 1886, die sich gegen schlimme Arbeitsbedingungen richteten, eskalierten die Proteste solange, bis jemand eine Bombe warf. Daraufhin brach eine regelrechte Schlacht zwischen Arbeitern und Polizei aus, bei der niemand gewann, dafür aber um die 200 Menschen starben. Ursprünglich als Erinnerung an die Haymarket-Affair gedacht, legte man den 1. Mai seitens der 2. Internaionale als Demonstratiosdatum fest.
So ist das immer: Ein Anarchist wirft was in die Runde, dabei werden Menschen verletzt, dann rastet die Polizei aus und schützt den Besitz der Kapitalisten (aka Fabriken), statt ruhig zu bleiben und Menschen zu retten. Und wenn die Staatsgewalt nicht ruhig bleibt, bleibt niemand mehr ruhig.
Wer mir jetzt kommt mit: „Ja, aber ohne die Polizei würde das System nicht funktionieren!“ – ja, das stimmt. Es geht dem Staat dabei aber nicht um Menschlichkeit, sondern um eben um die (ideologisch-repressive) Funktion der Polizei. Und auch Menschen sind vor dem Gesetz des kapitalistischen „Sozialstaates“ sein Eigentum. Untertanen! Da muss man sich keine Illusionen machen: Das gilt auch in einer Demokratie. Sie bleibt -kratie (Herrschaft).
Unter anderem @siminjawa macht hervorragende Bildungsarbeit zu (nicht nur) Polizeigewalt, und das (nicht nur) auf Instagram.
Wer kämpft für wen? Einschub aus der LGBTQ+ Community
Es sind ohnehin selten die Herrschenden, die dem gemeinen Volk einen Gefallen tun. Historisch gesehen waren es immer die unterprivilegierten Leute, die allen anderen einen Gefallen getan haben, indem sie sich für die Freiheit und die Freizeit, für die Liebe und das Leben aller Leute eingesetzt haben. Das hat ihnen nicht selten ihr Leben gekostet. So war es beim Kampf für bessere Arbeitsbedingungen in Chicago, und so ist es mit allen Freiheitskämpfen.
An dieser Stelle soll deshalb nicht nur an die 2. Internationale, sondern auch an Marsha P. Johnson und die Stone Wall Riots erinnert werden. Marsha P. Johnson war eine Schwarze Transfrau und Dragqueen, die mit der Mit-Initiierung der Stonewall-Proteste dafür gesorgt hat, dass ihre Community mehr Freiheiten in der rassistischen und queer-feindlichen Gesellschaft der damaligen USA erhält.
Ein Mythos besagt, Marsha P. Johnson habe den ersten Stein der Stonewall-Proteste geworfen.
Kern der Stonewall-Aufstände war, dass man sich gegen die Polizeigewalt gerichtet hatte, die damals wie heute vor allem gegen Schwarze und queere Menschen gerichtet ist – die gemeine Öffentlichkeit möge sich an dieser Stelle bitte mindestens an George Floyd und Renée Good erinnern, doch es gibt so viele mehr, wie z. B. Oury Jallouh in Deutschland und viele, viele andere.
Diese durch Demonstrationen erzeugte Aufmerksamkeit hat gewirkt: Die in Deutschland so beliebte Pride ist letztlich auf Martha P. Johnson zurückzuführen.
Zurück zum doppeldeutigen 1. Mai
Bereits die eingangs erwähnte, doppelte Betitelung des 1. Mai trägt zwei Seiten in sich, die gegeneinander kämpfen – wobei man das in sprachlicher Hinsicht nur mit Mühe differenzieren kann. SPD-nahe Institutionen bezeichnen den 1. Mai als „Tag der Arbeit“. Die Linke und andere sozial(istisch)e) Verbände wie Gewerkschaften wählen hingegen i. d. R. den Titel „Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“. Auch das Wort „Solidarität“ taucht oft in Betitelungen für den 1. Mai auf, die sich an progressive und Arbeiter*innen-nahe Gruppen richten.
„Tag der Arbeit“ steht dabei als Erfolg für den Kapitalismus und seine kapitalismusverwaltenden Nationalstaaten, „Internationaler Kampftag der Arbeiter*innenklasse“ steht für den kämpferischen der Arbeiter.
Typisch Kapitalisten vs. Arbeiterklasse. 😉
Die Erfolge der Mai-Proteste
Wie es zum 8-Stunden-Tag kam, ist eine lustige, gleichzeitig traurige Angelegenheit. Denn wie wir wissen, kam es zu keiner sozialistischen Revolution im Westeuropa des 19. Jahrhunderts, dafür aber zu gehäuften Protesten sowie zu einer versuchten Novemberrevolution, die letztlich in die Weimarer Republik mündete.
In Deutschland war die Einführung des 8-Stunden-Tages eine Folge der von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht geführten, oben genannten Novemberrevolution – nach der sie übrigens von einem Zusammenschluss aus Gruppen der SPD und des Bürger-Militärs(!) getötet worden sind. Wer hat uns verraten, …? kommt daher.
Der 8-Stunden-Tag wurde in Deutschland am 12. November 1918 als Kompromiss zwischen sozialistischer Revolte, Gewerkschaftsarbeit und Nationalstaat von Friedrich Ebert (SPD) eingeführt. In Frankreich führte der Politiker Georges Clemenceau (Parti radical), seinerzeit Ministerpräsident in Frankreich, den 8-Stunden-Tag ein. Er machte das, um einen Generalstreik und damit den Ärger der Kapitalisten zu verhindern – beziehungsweise.: die teuren Stimmen der Kapitalisten weiterhin in der Tasche zu haben. So war das also.
Hitler führte den 1. Mai als regelmäßigen Feiertag ein
Dass der erste Mai als Feiertag eingeführt wurde, hielt in der Weimarer Republik nur ein Jahr (1919). Hitler führt den 1. Mai im Jahr 1933 als „Tag der nationalen Arbeit“ ein und verankert ihn damit als Feiertag in Deutschland. Somit wurden Arbeiter symbolisch in die Volksgemeinschaft integriert und ihre Zustimmung zum Nazi-Regime abgesichert. Das geschah nicht zuletzt durch riesige Feste u. a. auf dem Tempelhofer Feld – die entsprechenden Bilder lassen Schauer im Rücken entstehen. Interessant und mit Bildmaterial bespickt ist hierzu die Website Tempelhofer Unfreiheit.
Was bedeutet der 1. Mai für progressive Kräfte im Hier und Jetzt?
Der historische Hintergrund für die 2. Internationale und ihr Treffen am 20. Juli 1889 war eine Wirtschaftskrise. Das kennen wir, oder? Inflation? Nichts mehr bezahlen können und trotzdem immer arbeiten müssen? Der Hustle, das Hamsterrad?
Es ist egal, ob eine Wirtschaftskrise im 19. oder im 21. Jahrhundert stattfindet: Solcherlei Krisen bringen Bottom-up Kräfte in Bewegung. Die linken, messianischen Kräfte (Benjamin); aber leider auch die rechten, autoritären Kräfte. (Wobei da zu diskutieren wäre, ob die autoritäre Bewegung wirklich von unten kommt oder nicht eher von „denen da oben“, sprich, heutzutage von Weidel, Höcke & co. „Autoritär“ hat ja schon im Namen, dass es eine Obrigkeit, eine autoritäre Struktur geben muss, die diese Bewegung entstehen lässt und sie befördert.)
Wobei: Ganz egal ist es eigentlich nicht, über welches Jahrhundert wir nachdenken. Das 19. Jahrhundert war für den Westen das grausamste Kapitel der Industrialisierung. Brutalste Kinderarbeit, von Menschenblut befleckte Maschinen, eine gottlose Sterberate am Arbeitsplatz – all dies war an der Tagesordnung. Friedrich Engels hat das in seinem Werk Die Lage der arbeitenden Klasse in England gut dokumentiert. Trigger Warnung, lest es nur dann, wenn es euch gut geht. Kein Wunder, dass die Leute unter diesen Umständen auf der Straße herumgetobt sind. Und nicht nur das, sie haben in zu vielen Fällen mit ihrem Leben bezahlt.
Heutzutage toben auch viele, im Internet sowieso, aber auch auf der Straße. Gottseidank sind es viele Menschen, die sich für unsere Freiheit einsetzen. Leider Gottes sind es zu viele, die (ungewollt? unbewusst? gewollt? bewusst?) das Gegenteil tun. Das bringt mich zur nächsten Frage:
Was macht die AfD eigentlich am 1. Mai?
Ab hier neuer Soundtrack: Taylor Swift – Calm Down
Ich wollte die Antwort auf diese Frage vor meiner Recherche nur ungern erfahren. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, sich damit zu beschäftigen, um zu wissen, was die Leute umtreibt (leider auch dann, wenn es autoritär denkende Parolen und Personen sind).
Insgesamt ist es so, dass die AfD sich klar als Gegenbewegung zu Gewerkschaften – also eigentlich den arbeiternahen Leuten – und ihren Mitkämpfenden positioniert. Das Ziel der AfD ist offenbar nicht, Arbeiter in ihren Freiheiten zu stärken, sondern sie gerade dagegen zu mobilisieren und Werbung für diktatorische Anwandlungen der Parteispitze(n) zu machen – überraschend, ich weiß. Für diese Anwandlungen stehen alle Slogans, die die AfD seit ihrer Entstehung im Jahr 2013 veröffentlicht. Übrigens wendet sich die AfD ja nicht nur gegen links, sondern allgemein gegen das ganze „alte“ System – als würde verdi mit Friedrich Merz unter einer Decke stecken…
Nicht nur werden bei der AfD die Diskurse rund um Arbeitszeit, Arbeitsumstände und Vergütung in Richtung Migration und Abschiebungsallüren verschoben, was, rein fachlich gesehen, getrennte Debatten sind. Nein, es geht noch weiter: Der 1. Mai wird seitens der AfD von vorne bis hinten instrumentalisiert, um ein „Gemeinschaftsgefühl“ herzustellen (nach der Auflösung der Gewerkschaften organisierten sich die Nazi-Arbeiter UND Manager-Kapitaleigner in der „Deutschen Arbeitsfront“). Es handelt sich um ein massenverwaltetes Gefühl für die wütenden, ausgebeuteten, ja geradezu verelendeten Arbeiter, das sich als Hass zunächst gegen innenpolitische Feinde richten soll: „Linksgrünversiffte“, Migrant*innen, und alle Politiker und sonstigen juristischen Personen, die den genannten Gruppierungen vermeintlich etwas Gutes tun wollen. Das war schon 2016 so und wird 2026 umso mehr der Fall sein.
Die AfD vermarktet sich also fleißig als Stimme der kleinen Leute, während sie sich drauf und dran macht, die Strukturen des Sozialstaats zugunsten einer sich bereichernden Elite umzubauen. Moment mal – ist das nicht gerade der Zusammenhang, der seitens der minikleinen, vom-Verfassungsschutz-als-gesichert-rechtsextrem-eingestufte-AfD-wählenden Leute immer bemängelt wird? Komisch!
Dafür, dass die AfD „keine Untertanen“ erziehen möchte, macht sie jedenfalls erstaunlich oft das Gegenteil. So ist das oft mit Ideologie: Es wird A gesagt und (K)Z gemeint, und wenn jemand diese Verdrehung anspricht, wird er gemeinsam mit allen anderen Feindbildern auf dem diskursiven Scheiterhaufen verbrannt. Als wäre die Person, die das Problem anspricht, das eigentliche Problem.
Analysen, dass die AfD nicht nur dem Wohlstand des kleinen Mannes, sondern darüber hinaus dem Wohlstand von ganz Deutschland und damit auch Europas erheblich schaden würde, wäre sie an der Macht, gibt es zuhauf: Im fachlich auf hohem Niveau angesiedelten Jacobin Magazin [Link zum entsprechenden Artikel], im Surplus Magazin [Link zum entsprechenden Artikel] unter der Leitung von u. a. Adam Tooze, für das dasselbe gilt, und auch die ZEIT veröffentlichte dazu eine stichhaltige Analyse [Link zum entsprechenden Artikel].
Das erinnert mich an was!
Der 1. Mai im vierten Reich?
Was die AfD machen würde, wenn sie an der Macht wäre, wäre folgendes:
- Den ersten Mai als Tag der Einheit aller Deutschen instrumentalisieren (check).
- Sich gegen progressive Ambitionen richten wie z. B. mit folgender Aussage: „Echte Nationalität statt linksgrünversiffter Blödsinn“ (check)
- Alle Gewerkschaften auflösen (würde kommen)
- Alle Institutionen zunächst der Partei gleichschalten und Alice Weidel nur scheinbar das Zepter in die Hand geben – die eigentliche Macht behält Björn Höcke (check)
- Alle sonstigen Institutionen der deutschen Öffentlichkeit gleichschalten. (würde kommen)
- Und so weiter: Schaut doch einfach in der Geschichte des dritten Reichs nach (checkst du?)
Tja, glücklicherweise sind sie nicht an der Macht, und glücklicherweise können wir ein solches Szenario gemeinsam verhindern. Sowieso wollte ich eigentlich auf die freiheitliche Seite des 1. Mai hinaus, die freiheits-kämpferische Seite. Die, die wir unbedingt brauchen. Denn der Punkt ist ja:
Das Kollektiv schreitet am 1. Mai voran und es ist nicht die herrschende Klasse
Letzter Soundtrack: Fish – The Company
Durch den 1. Mai kann – wenn auch für eine begrenzte Zeit – eine Gegenerzählung zu hegemonialen Narrativen5 entstehen, die sich den rechten, rechtsextremen und damit auch Friedrich Merz‘schen Erzählungen à la „reißt euch alle mal zusammen, ihr faulen Arbeiter!“ entschieden entgegenstellt. Es braucht eine gemeinsame Bewegung genau für die Arbeiter, die Merz & co öffentlich und salonfähig denunzieren, die unser Land tagtäglich aufrechterhalten, und gleichzeitig für Migrant*innen, für Frauen, für Queers. Das macht die PdL auf innenpolitischer Ebene, das macht die DKP, das macht ver.di, das machen viele Institutionen, manchmal sogar SPD und Grüne, wobei ihnen in Sachen Arbeiterfreundlichkeit (zurecht) wenig vertraut wird.
Antonio Gramsci nennt das, was ich „Gegenerzählung“ oder „Gegenkollektiv“ nennen würde übrigens „Gegenhegemonie“. Kurz gesagt geht es darum: Eine Bottom-up Struktur (also das gemeine Volk gegen die Herrschenden), die sich Top-down Tendenzen aneignen möchte (also im besten Fall Herrschaft gegen Herrschaft), um die Emanzipation des gemeinen Volks zu fördern (yay!).
Die Moral von der Geschicht‘ ist:
Weder hochrangige Politiker noch Konzern-CEOs sind Arbeiterfreunde
und jetzt
Noch ein paar Infos zur politischen Orientierung
Sofern Du nicht reich bist, verbindet Dich sehr viel Positives mit dem 1. Mai. Bist Du Antifaschistin oder willst eine werden (was ich hoffe), dann hast Du auch einiges Negative damit zu verknüpfen (Hitler and when we did the Hitler thing with Hitler … Germany is a toilet … I said Germany, but I meant Europe!). Es ist halt, mal wieder, eine ambivalente Angelegenheit.
Bist Du Kapitalist im eigentlichen Sinne, extrahierst also Mehrwert aus der Arbeit anderer6, dann hasst Du diesen Tag vermutlich, weil er Dir nur Ärger macht. Dasselbe gilt für Politiker, die sich teure Stimmen sichern wollen.
Bist Du eine Gewerkschaft, dann bereitest Du dich vermutlich seit dem 02. Mai 2025 auf den 1. Mai 2026 vor.
Bist Du die SPD oder CDU, versuchst Du ihn zu Deinen Gunsten auszunutzen. Bist Du die Linke, hast Du allen Grund, Dich der sozialistischen Seite der Medaille anzuschließen und ihn als Kampftag zu feiern. Bist Du Volt oder die Grünen, stehst Du vermutlich zwischen den Stühlen der beiden Medaillenseiten.
Bist Du die AfD, dann hast Du in dieser Debatte gehörig etwas darüber zu lernen, was Arbeiterfreundlichkeit bedeutet.
Und wenn Du dich jetzt fragst: Kann ich auch etwas tun, um freiheitliche Kräfte in der Gesellschaft zu fördern?
Ja. Geh auf die Straße. Los, komm, raus mit Dir!
Und tritt am besten noch heute ver.di bei.
*mic drop*
- Die folgende historische Zusammenfassung entnehme ich der entsprechenden Folge (Link) Zahlen schreiben Geschichte/ Quand L’histoire fait dates aus der Arte-Mediathek (fette Empfehlung für den, mir leicht angetrunken vorkommenden, sympathischen und arbeiterfreundlich denkenden Historiker, der die Serie rockt), sowie dem Buch The ritual of May Day in Western Europe : past, present and future (Peterson, Abby; and Reiter, Herbert (Hrsg). The Ritual of May Day in Western Europe – Past, Present and Future. Oxon/New York: Routledge 2016.) ↩︎
- Käpt’n Peng: Werbistich (Link) ↩︎
- Dazu ein Zitat aus Peterson, Abby; and Reiter, Herbert (Hrsg). The Ritual of May Day in Western Europe – Past, Present and Future. Oxon/New York: Routledge 2016: “Imemory is collective in so far as it is produced in ‘social frameworks’, in the context of social groups structured by social relationships, then a society – or a social movement, as in our case – produces a plural, and often contested and contentious memory of the past (Zamponi 2015, p. 258). Collective memory, in fact, is promoted within groups, and it is ‘as much a result of conscious manipulation as unconscious absorption and is always mediated’ (Kansteiner 2002, p. 180).” ↩︎
- Falls Du nicht weißt, was dieser Begriff zu bedeuten hat, folgt hier die grobe Auflösung: Die erste bis vierte Internationale waren jeweils neu gegründete, internationale Zusammenschlüsse von Arbeiterparteien – also so etwas wie eine zentrale Koordinationsstelle für alle sozial(istisch) denkenden des Globus. Es gab, wie gesagt, vier davon. Die letzte wurde von Leo Trotsky im Jahr 1943 gegründet. Die hier besprochene 2. Internationale zerfiel im 1. WK. ↩︎
- Also diejenigen Erzählungen, die im Diskurs die „Herrschaft“ haben. Im Kapitalismus ist das: Arbeiter müssen sich alle mehr zusammenreißen, sonst gibt’s kein Wachstum!!!! Pispers hat dazu eine tolles Kabaretprogramm, das all eure Fragen dazu beantworten sollte: „Die Demokratie verliert gegen den Kapitalismus“ (Link) ↩︎
- Erklärung Mehrwertgesetz: Das ist das Gesetz, nach dem der Kapitalismus dann und nur dann nur funktionieren kann, wenn überall ständig Mehrwert und Profit erzeugt wird. Mehrwert ist eine Kategorie, die Marx in seinem Hauptwerk Das Kapital analysiert hat.
Vereinfacht gesagt entsteht Mehrwert dadurch, dass Arbeiter durch ideologische Verwicklungen einen Teil ihres Lohns nicht ausgezahlt bekommen, der ihnen eigentlich zustehen würde. Aber das ist schon wieder zu hoch und zu verschachtelt, oder?
Deshalb nur noch eine Frage: Habt ihr euch jemals gefragt, was Geld eigentlich ist und wo es herkommt? Falls ja, und ihr keine richtige Antwort darauf habt, oder falls nein: Schaut unbedingt die Doku Oeconomia von Carmen Losman (Link). Plot-Twist: Geld ist inzwischen nichts mehr als ein Mausklick. Auch sehr viel Geld. Sehr, sehr viel. Ein Mausklick. Aber seht selbst, wenn ihr wollt. Ich hab’s verlinkt. ↩︎
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